Argument #24

Ich kannte mal einen Veganer und der ist gestorben!

Kurzantwort

Einwände auf einen Blick

Einzelne Anekdoten fallen mitunter den schwächsten Formen der Evidenz. Sie sind oft ausgearbeitet oder verallgemeinern eine ungesunde pflanzliche Ernährung als Veganismus. Außerdem sind sie in den aller meisten Fällen nicht falsifizierbar. Studien mit sehr vielen Teilnehmenden zeigen keine höhere Gesamtsterblichkeit in Verbindung mit einer veganen Ernährung.

Argument verstehen

Einordnung des Arguments

Worum es bei diesem Argument geht

Dieses Argument verwendet die Erfahrung mit einer vegan lebenden Person als Beleg gegen Veganismus. Wenn vegane Personen krank wurden, Mängel entwickelten, ihre Ernährung abbrechen mussten oder starben, wird daraus geschlossen, dass die vegane Lebensweise selbst gefährlich oder nicht dauerhaft durchführbar ist.

Wo die Grenzen dieses Arguments liegen

Das Argument behauptet nicht unbedingt, dass ausschließlich Veganerinnen und Veganer krank werden oder dass jede vegane Person dasselbe Schicksal erleiden wird. Es argumentiert vielmehr, dass ein konkreter negativer Fall die möglichen Gefahren veganer Ernährung sichtbar macht und deshalb gegen ihre allgemeine Sicherheit spricht.

Typische Formulierungen

  • „Ich kannte mal einen Veganer und der ist gestorben.“
  • „Eine Bekannte musste wegen Veganismus ins Krankenhaus.“

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Anekdoten sind keine starke Evidenz

Oft werden pflanzliche Ernährungsweisen allesamt als vegan zusammengefasst. Wenn also jemand mit der Oreo-und-Bier-Diät krank wird, dann ist Veganismus schuld. Andere Male werden wichtige Details hinzugefügt oder ausgelassen, um die Anekdoten eindrücklicher zu machen. Zudem kann es immer zahlreiche Nebenfaktoren geben, die eine Rolle gespielt haben könnten. Fakt ist: Wenn jemand eine Anekdote erzählt, dann kann man das in den aller meisten Fällen nicht überprüfen oder falsifizieren. Man kann auch Anekdoten hervorheben, die Veganismus als die Lösung für alles darstellen, aber das wären am Ende des Tages immer noch nur Anekdoten. Entscheidend ist, was gute Studien dazu sagen.

MoralMango 0 Antworten 26.7.2026

Vegane Krankenhausfälle fallen stärker auf als gewöhnliche Krankenhausfälle

Wenn eine vegane Person wegen eines Mangels oder einer Erkrankung ins Krankenhaus kommt, wird ihre Ernährungsweise häufig ausdrücklich erwähnt und bleibt deshalb besonders gut im Gedächtnis. Bei einer mischköstlich lebenden Person wird dieselbe Verbindung viel seltener hergestellt, obwohl auch sie aufgrund einer schlecht zusammengestellten Ernährung erkrankt sein könnte. Hier wirken mehrere Denkfehler zusammen: Der Salienz-Bias macht die ungewöhnliche Eigenschaft Veganismus besonders auffällig, die Verfügbarkeitsheuristik lässt leicht erinnerbare Fälle häufiger erscheinen, und der Bestätigungsfehler sorgt dafür, dass Menschen vor allem Beispiele behalten, die ihre bereits bestehende Skepsis gegenüber Veganismus stützen. Gleichzeitig wird die viel größere Grundgesamtheit nicht-veganer Krankenhauspatienten häufig ignoriert, ein sogenannter Basisratenfehler.

MoralMango 0 Antworten 26.7.2026

Große Kohortenstudien zeigen keine erhöhte Gesamtsterblichkeit bei Veganerinnen und Veganern

In der Adventist Health Study 2 mit 73.308 Teilnehmenden lag die geschätzte Gesamtsterblichkeit der veganen Gruppe nicht höher, sondern niedriger als die der nicht-vegetarischen Gruppe: HR 0,85; 95-%-Konfidenzintervall 0,73–1,01. Weil das Konfidenzintervall den Wert 1 einschließt, beweist das Ergebnis keinen eindeutigen Überlebensvorteil, es spricht aber klar gegen die Behauptung, vegane Ernährung führe generell zu einer erhöhten Sterblichkeit. DOI: 10.1001/jamainternmed.2013.6473 Eine neuere Auswertung der Adventist Health Study 2 untersuchte 88.400 Menschen über insgesamt 971.424 Personenjahre. Vegane, lacto-ovo-vegetarische und pescetarische Ernährungsweisen waren auch hier mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, beweist sie nicht, dass Veganismus die Lebensdauer verlängert. Sie liefert aber ebenfalls keinen Hinweis darauf, dass Veganerinnen und Veganer allgemein früher sterben. DOI: 10.1016/j.ajcnut.2024.07.028 Eine britische Untersuchung mit 60.310 Personen, darunter 2.228 Veganer, verglich regelmäßige Fleischesser, seltene Fleischesser, Fischesser und Vegetarier einschließlich Veganer. Die Forschenden fanden insgesamt eine ähnliche Gesamtsterblichkeit zwischen den Ernährungsgruppen. Das bedeutet nicht, dass jede vegane Ernährung gesund ist, widerlegt aber die pauschale Behauptung, der Verzicht auf Tierprodukte erhöhe zwangsläufig das Sterberisiko. DOI: 10.3945/ajcn.115.119461

MoralMango 0 Antworten 26.7.2026

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