Threadbeschreibung
Die religionsphilosophische Kernfrage lautet: Ist etwas gut, weil Gott es für gut erklärt, oder erklärt Gott es für gut, weil es gut ist? Wenn Gott Dinge für gut erklärt, weil sie gut sind, dann existiert ein Maßstab für Gutheit unabhängig von Gott. Gottes Fürgutbefinden wäre dann keine letztgültige Rechtfertigung. Wenn hingegen etwas gut ist, weil Gott es für gut erklärt, dann hängt Moral vollständig von Gottes Willen ab. Dies führt zu einem Problem der Willkürlichkeit: Theoretisch könnte alles gut sein, sofern Gott es so bestimmt. Hinzu kommt ein epistemisches Problem: Wie können wir sicher wissen, was Gott tatsächlich will? Man könnte sich sogar einen Gott vorstellen, dessen Absichten unseren Verstand übersteigen und der moralische Intuitionen manipuliert. Ohne unabhängigen Maßstab bleibt moralische Orientierung instabil.